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Alpine Naturgefahren im Klimawandel: Ethnologische und philosophische Perspektiven


Arbeitspaket 1: Visualisierung und Kartierung von lokalem Wissen über alpine Naturgefahren

Projektleitung: Prof. Dr. Urte Undine Frömming

Bearbeiter: Christian Reichel, M.A.

Vorhabenbeschreibung

Das im BMBF–Verbundprojekt: „Alpine Naturgefahren im Klimawandel – Deutungsmuster und Handlungspraktiken vom 18. bis zum 21. Jahrhundert" verankerte Vorhaben des Instituts für Ethnologie der Freien Universität Berlin untersucht in der Schweiz, Bayern und Österreich in vergleichender Perspektive Kulturtechniken zum Schutz vor und im Umgang mit klimabedingten Naturgefahren die zu einer Vermeidung von Vulnerabilität sowie zu einem nachhaltigen Umgang mit gefährdeten und gefährlichen Natur- und Kulturräumen führen.
Ziel ist es, die bisher fast ausschließlich normative technologisch- naturwissenschaftliche Praxis des Naturgefahrenmanagements durch lokale Wissensstrategien und moralische Deutungen zu ergänzen, um Präventions- und Schutzmaßnahmen effektiver gestalten zu können. Darüber hinaus wird die Erforschung von Formen und Intentionen kultureller Bewältigung und Deutungsformen des Klimawandels einen weiteren Schwerpunkt bilden.
In dieser Hinsicht finden auch die durch den Klimawandel verursachten „schleichenden Katastrophen“ Beachtung. Im Alpenraum äußert sich dieses Phänomen durch vermehrte Starkniederschläge und einem Auftauen der Permafrostböden, was wiederum ein erhöhtes Hochwasserrisiko und Massenbewegungen wie Muren oder Lawinen zur Folge hat (IPCC 2007b). Im Zentrum des Erkenntnisinteresses steht vor allem die Frage, wie klimabedingte Katastrophen lokal wahrgenommen und bewertet werden und welchen Einfluss durch Rückkoppelungsprozesse lokale Deutungsmuster auf politische Entscheidungsebenen haben.
Ein fundamentales Verständnis der kulturellen Deutung und Verarbeitung des Klimawandels und den damit verbundenen Katastrophen ist notwendig, um alternative und effektivere Handlungsstrategien für die Zukunft zu entwickeln und die Bevölkerungen dabei „mitzunehmen“. Wie in unterschiedlichen Gesellschaften die Vorstellung dessen, was klimarelevante Katastrophen darstellen kulturell anders konstruiert wird, so sind auch die Strategien, Katastrophen zu vermeiden, auf diese zu reagieren oder sich an diese zu erinnern vom jeweiligen kulturellen Kontext abhängig. Gefragt wird, ob die Politik der Katastrophenhilfe einen grundlegenden Wandel vollziehen muss. Technische Schutzmaßnahmen und lokales Wissen sollen hinsichtlich ihrer jeweiligen Potentiale und Grenzen einander gegenüber gestellt werden, wobei die prognostizierten Veränderungen - kulturelle, politische, ökonomische, natürliche - die der Klimawandel verursacht, unterschiedliche Herausforderungen für beide Strategien darstellen.
Neben einem kulturwissenschaftlichen Interesse spielt diese Erkenntnis eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von kulturell abgestimmten Schutzzonen und Katastrophenpläne. Ethnologisch fundierte Katastrophenpläne beziehen den konstitutiven gesellschaftlichen Einfluss von Naturgefahren auch in Hinblick auf religiöse Bedeutungen sowie lokale Akteure ein, die diverse Verhaltensstrategien im Katastrophenfall vermitteln können.
Unter Berücksichtigung der lokalen Perspektive könnte kulturelle Integrität gewahrt und somit eine effiziente Ergänzung zu rein technischen Maßnahmen geschaffen werden. Dies kann wiederum zu einer Reduktion der Ausmaße von Katastrophen führen, mit der Folge eines effektiveren Schutzes von Menschenleben.
Die moralische Grundorientierung ist Bedingung für eine erfolgreiche Implementierung eines Rechtsrahmens. Das gilt insbesondere, wenn die Unmittelbarkeit der Folgen zu reglementierender Handlungen nicht gegeben ist und sich entsprechende Normen schwer vermitteln lassen. Das gilt gerade für den Bereich Umwelt- und Klimawandelethik.
In der untersuchten umwelt- und klimawandelethischen Diskussion werden solche moralischen Grundorientierungen dargestellt, untersucht und im Hinblick auf den Klimawandel bewertet. Dazu einen Überblick zu erstellen und daran tatsächliche Verhaltenskonfigurationen im Alpenraum zu spiegeln, wie sie sich aus den ethnologischen und soziologischen Fallstudien ersehen lassen, ist grundlegend für einen erfolgreichen politischen und juridischen Umgang mit Naturgefahren.

Projektübergeifende Kernfragen, die in Abstimmung mit den anderen Clustern bearbeitet werden

  • Welches lokale Wissen existiert zum Schutz vor und im Umgang mit klimabedingten Naturgefahren?
  • Welche Potentiale und Grenzen haben jeweils technische Schutzmaßnahmen und lokales Wissen in Bezug auf die prognostizierte Veränderungen?
  • Wie lassen sich diese lokalen Praktiken und Deutungsmuster im Sinne eines „adaptive governance“-Ansatz in ein professionelles Gefahrenmanagement integrieren und welche Transformation durchlaufen sie dabei?

Methodische Herangehensweise

Einen methodischen Schwerpunkt bildet die Exploration von raumbezogenen Daten zu lokalem Wissen über klimabedingte Naturgefahren durch partizipative Kartierungen unter anderem auf Basis von GIS-Technologie und der anschließenden Visualisierung durch ein Kartographieprogramm. Dieser kartographische Ansatz soll dazu beitragen, nachfolgende politische Handlungsempfehlungen in Zusammenarbeit mit Cluster 2 leichter kommunizierbar zu machen, eine bessere interdisziplinäre Zusammenarbeit zu etablieren und die lokale Bevölkerung aktiv an dem Prozess des Katastrophenmanagements teilhaben zu lassen.
Des weiteren bieten der Einsatz einer Videokamera und die darauf folgende Bildanalyse, eine Möglichkeit, die Lebenssituation der Menschen vor Ort im Nachhinein leichter nachvollziehen zu können sowie medial aufbereitet darzustellen um implizite Deutungsmuster explizit zu machen.
Der Austausch und die Analyse der im ethnologischen und philosophischen Teilbereich gewonnen Daten mit den anderen Clustern des Forschungsprojekts bilden ein wesentliches Element, um Erkenntnisse kritisch zu reflektieren und eine Kompatibilität herstellen zu können. Die Daten zum lokalen Wissen fließen im Sinne einer adaptive governance in die Forschungsdaten der umweltwissenschaftlich, naturwissenschaftlich, historisch, soziologisch und politologisch orientierten Forschungen der anderen Teilprojekte ein, mit dem Ziel alle Bevölkerungsschichten und insbesondere das implizite lokale Wissen in politisch-juridischen Handlungsempfehlungen zu berücksichtigen.

Freie Universität Berlin - Institut für Ethnologie Technische Universität München - Lehrstuhl Wald- und Umweltpolitik Universität Göttingen - Seminar für mittlere und neuere Geschichte Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL - Wirtschafts- und Sozialwissenschaften